NTSCHOTSCHI

Ein Text aus einer Zeit, lange vor meiner eigenen Schwangerschaft und somit eine rein fiktive Geschichte ohne autobiografische Züge;)

Meine Augen tränen, ich setze meine Brille auf, und immer noch bleibt das Bild verschwommen. Es will sich nicht zu erkennen geben. Es ist sein Gang, ich kenne ihn nur zu gut. Schlaksig, langsam, nie würde er sich beeilen wollen, denn es scheint ihm sowieso alles nachzulaufen (allerdings hauptsächlich Hunde, aber dies bleibt mein Geheimnis, denn diese Erkenntnis würde an seinem Selbstbewusstsein kratzen, und damit würde er einiges verlieren, vor allem seine Langsamkeit und ganz nebenbei auch mich). Außerdem vielleicht auch seine Coolness, und das würde ich aufrichtig bedauern. Er ist halb Elvis halb Winnetou, wobei er singt wie Winnetou mit Bauch. Schließlich muss ich ihm, nachdem ich selten rückwärts gehe, (außer ich trete an der Kreuzung kurz zurück um nicht von einem wahnsinnigen Autofahrer, der sich an allen Frauen, sicher mit gutem Grund, rächen möchte, überfahren zu werden) unvermeidlich Schritt für Schritt näher kommen. Wahrscheinlich fühlte ich mich ihm noch nie so nah wie jetzt, als er mich nicht einmal bemerkte. Seine Haare sind proportional zu seinem Bauch gewachsen, und das bringt ihn dem Abbild eines ( allerdings arbeitslosen) Indianers langsam näher. Mein Spitzname  ist seit jeher Ntschotschi, bis heute weiß ich nicht, wie man meinen Namen schreibt, ich beließ es beim ersten Versuch, jeder weiß ohnehin, wen ich meine. Wir waren einmal DAS Traumpaar. Meine Haare hatten allerdings in den letzten neun Monaten nicht die Muse proportional zu meinem Bauch zu wachsen, er liegt da weit vorne, aber hängt gleichzeitig etwas nach unten. Auch ich musste mich anpassen und bin langsamer geworden. Diese Begegnung hatte ich mir allerdings anders vorgestellt, nämlich so, dass es gar nie dazu kommen würde. Ich wollte ihn nicht belasten, und ihn nicht dazu zwingen schneller werden zu müssen, nur weil er vor uns fliehen musste. Ich wollte mir nicht anhören, dass ich sicher seine Spermien dazu gezwungen hatte bei mir zu bleiben, zumindest einer musste bleiben und daran glauben. Ich wollte mir nicht anhören, dass wenn es  bei seinen Spermien funktioniert hatte, das noch lange nicht bedeutete, dass es bei ihm auch funktionierte. Ich wollte mir nicht anhören, dass seine Mutter es schon vor mir gewusst hatte. Ich wollte mir nicht anhören, dass er immer nur ein blondes Kind haben wollte, und er das mit einer Schwarzhaarigen gleich vergessen konnte. Ich hätte mich gern umgedreht und wäre davon gerannt, aber ich fühlte mich zu schwer, es schien mir einfach unmöglich und außerdem viel zu riskant. Dennoch tat ich es. Ein letzter mutiger, aber verzweifelter Versuch doch davon zu sprinten.  Ich stolperte und ich weiß nicht mehr, ob ich wirklich sehr laut aufschrie, als ich mich mit meinen Händen versuchte vom Boden abzustützen, nur damit mein Bauch nicht am Boden schliff. Allerdings entging mir dadurch auch seine sicher schnellste Bewegung, die ich je an ihm werde sehen können. Er rettete mich und half mir wieder auf.

Winnetou: Typisch, das machst du absichtlich. Nur um mich wie immer aus der Ruhe zu bringen.

Ntschotschi: Deine wundersame Erscheinung hat mich aus dem Gleichgewicht gebracht!

Winnetou: Das liegt wohl eher an deinem Übergewicht.

Ntschotschi: Und woher glaubt Winnetou kommt dieses Übergewicht. Ich gib dir einen Tipp, es ist nicht meine neue Diät.

Winnetou: Und, wer ist der Glückliche?

Ntschotschi: Hmmmhhhh? Wer von uns beiden? Du?!!!

Winnetou: Scheiße!!!!! Ich hätte doch auf meine Mutter hören sollen…….

Ich drehte mich um und ging so schnell ich konnte in irgendeine andere Richtung. Ich schlich. Wieder war das Bild verschwommen, ich konnte meine Tränen nicht zurückhalten. Eigentlich hatte ich schon  fast vergessen, wie sehr ich diesen Idioten liebte. Hinter mir bewegte sich nichts. An der nächsten Ecke bog ich ab, damit er mir nicht weiter zusehen konnte, wie ich vollkommen unsexy davon watschelte. Plötzlich hörte ich einen Schrei. Yeahhhhhhhhhhh!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!IIIIIIIIIcccccccchhhhhhhh llllllliiiiiiieeeeebbbbbbeeeeeeee ddddddiiiiiiiiiccccchhhhhh!!!!!!!!! Er rannte. Allein deswegen musste ich es ihm glauben. Er umarmte mich so fest, dass ich ihn ein zweites Mal auf meinen Bauch aufmerksam machen musste. Es war zu spät. Die Wehen setzten ein.

Winnetou: Willst du mich heiraten?

Ntschotschi: Jaaaaaaaahhhhhhhh!

Unser Sohn ließ sich Zeit und war extrem cool. Wir heirateten und  ich hieß von da an Salome May. Unseren Sohn nannten wir Karl.